Warum Storytelling?

Ergibt es Sinn, dass der Klimawandel immer weiter voranschreitet und gerade jetzt in Brasilien ein Bolsonaro den Regenwald zum Abbrennen freigibt? Finden wir eine tiefere Bedeutung in der anhaltenden Armut und hohen Kindersterblichkeit in vielen Ländern der Welt? Kann ich mir erklären, warum ein junges Familienmitglied an bösartigem Krebs erkrankt? 

Die Antwort muss in allen Fällen “nein” lauten. Auch wenn ich mir spirituellen Trost suchen kann, so ergeben viele Umstände auf der Erde und in meiner kleinen Welt dennoch keinen Sinn. 

Der Mensch, als geistiges Wesen, sucht aber stets nach Sinn und Bedeutung. Und das ist einer der Gründe dafür, warum er Geschichten erzählt. 

Geschichten helfen uns andere geistig mit auf eine Reise zu nehmen, die Fantasie anzuregen, von etwas zu überzeugen und emotional zu bewegen. Gute Geschichten folgen in ihrer Struktur universellen Regeln und sind dadurch in der Lage Menschen miteinander zu verbinden. Menschen verstehen sich und ihre Motive besser durch das Erzählen von Geschichten. 

 

Was hat das nun mit Teambuilding zu tun?

Menschen, die gemeinsam Geschichten erzählen, haben eine besondere Verbindung miteinander. An jedem Arbeitsplatz, an dem Teams zusammenarbeiten, entstehen täglich neue Geschichten. Ich nutze diese Tatsache und hole solche Geschichten während des Team-Workshops ins Bewusstsein. Das Durchschauen der Strukturen von Geschichten ermöglicht es, diese zu reflektieren, bei Bedarf umzuschreiben und auch ganz neue Geschichten zu erfinden. 

 

Die Zufriedenheit von Mitarbeitern beruht auf vielen, teilweise individuell unterschiedlichen, Faktoren. Bedeutend für die Mitarbeiterzufriedenheit sind unter anderem eine gute Arbeitsatmosphäre, sinnvolle Tätigkeiten und die Identifikation mit gemeinsamen Werten. Über das Storytelling beschäftigen wir uns mit diesen Dingen nicht nur kognitiv, sondern auch emotional und kreativ. Das Spannende dabei ist: Es eröffnen sich ganz neue, unvermutete Möglichkeiten, die Faktoren am Arbeitsplatz mitzugestalten, die die Zufriedenheit beeinflussen. Mitarbeiter/innen können sich durch Storytelling eine gemeinsame Basis für ihre individuellen Bedürfnisse schaffen. 

 

Beispielhafter Ablauf eines Story-MentoringProzesses

 

Der erste Schritt im Story Mentoring ist ein Strategiegespräch mit der Teamleitung/ Führungskraft. Darauf folgt ein zweitägiger Workshop mit dem gesamten Team.

Resultate

Zu Beginn des Workshops soll die Wahl des Themas sowie der Handlung der Geschichte noch weitgehend offen sein. Das gesetzte Ziel lautet in jedem Fall, dass eine Team-Geschichte entsteht. Das Team entscheidet im Laufe des ersten Tages, welche Art von Geschichte es miteinander schreiben wird. Es kann eine Herkunftsgeschichte sein, eine Werte-Geschichte, eine Kundengeschichte… Hier geht es nicht darum in zwei Tagen aus allen Mitarbeitern Schriftstellerinnen zu machen, sondern vielmehr um authentisches, glaubwürdiges, echtes Erzählen.

Besonders in pädagogischen Organisationen ist in der Regel dafür reichlich Stoff vorhanden. Die Teammitglieder haben Höhen und Tiefen erlebt, sind von gewissen Werten angetrieben, wissen von lustigen und traurigen Anekdoten aus dem Leben zu berichten.  In meinem letzten Workshop in einer Jugendhilfeeinrichtung in Berlin sind gleich drei Geschichten entstanden: Eine komplett erstellte und visualisierte Klienten-Geschichte (Werte-Bildergeschichte, die das pädagogische Konzept auf simple und authentische Weise untermauert), eine Herkunftsgeschichte (spannende Erzählung über den Aufbau der Jugendeinrichtung) und eine Gründungsgeschichte (Darstellung eines Teils der Biografie des Gründers der Trägergesellschaft). 

Am ersten Tag des Workshops wird dieses vorhandene Material gesichtet, um es daraufhin zu verdichten und zu einer Geschichte zu gestalten, die fortan das Team im Alltag stärkt und begleitet. Diese Geschichten werden nach dem Workshop weiter genutzt. Sie dienen der Visualisierung von Werten und einer authentischen Darstellung der Organisation:  nach innen, zur Orientierung für das Team, und ggfs. auch nach außen, zum Beispiel für Kooperationspartner, Bewerberinnen und Auftraggeber. 

 

Das Schöne daran: Authentische Geschichten erzählen, das kann jeder! Gemeinsam wird daraus mehr als eine Anekdote entwickelt. Es werden Konzepte entworfen, Botschaften, Lebenseinstellungen. Sinn und Bedeutung werden kreiert. Dabei ist jede Geschichte einzigartig, auch wenn sie noch so einfach strukturiert ist.

 

Wie geht es dann weiter? Die entwickelte Geschichte wird in den Alltag implementiert und zu (neuem) Leben erweckt. Der Mentoring Prozess kann in Gesprächsform fortgesetzt werden, zeitlich und inhaltlich angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse der Organisation/ des Unternehmens. 

Das Story-Mentoring eignet sich für Organisationen/ Unternehmen, die zum Beispiel:

– Teams neu bilden oder ausrichten möchten,

– ihre interne Geschichte entwickeln möchten,

– sich in einem Wandlungsprozess befinden,

– Unstimmigkeiten in Teams zur Weiterentwicklung nutzen möchten,

– interne Strukturen und Werte klarer und eingängiger definieren möchten.

 

Das Story-Mentoring eignet sich nicht, wenn Sie:

– eine Marketing-Story schreiben lassen möchten (dafür gibt es andere gute Adressen),

– Ihr Unternehmen nach außen im besten Licht präsentieren möchten ohne Ihre Mitarbeiter einzubeziehen.

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