Meine Lieblings-Erzieherin im Kindergarten hieß Monika. Sie hat mir beim Türme bauen zugeschaut, mir beim Basteln geholfen, meine Tränen getrocknet und sich mit mir gefreut. Wenn sie da war, fühlte ich mich sicher, denn ich wusste, ich konnte ihr notfalls auf den Schoß krabbeln. 

Dann gab es noch Erika, an deren Gesicht ich mich nicht mehr gut erinnere. Dafür aber umso mehr an ihre Stimme, die sich manchmal etwas streng anhörte. Als ich fünf war, machte Erika mit mir einmal pro Woche „Schulspiele“. Da saßen alle Fünfjährigen im Kindergarten zusammen und Erika zeigte uns, was man für die Schule alles braucht. 

Monika war eine gute Mentorin: Sie hatte mein volles Vertrauen, weil ich spürte, dass sie mich fördern wollte. Sie ließ mich spielen und bauen und malen und erfinden und mischte sich nur ein, wenn ich das wollte und brauchte. Ihr Ziel war es, dass ich mich entwickeln konnte und dabei möglichst viel Freude und Fortschritt erlebte. Ein klares Ergebnis gab es dabei nicht – Ende offen. 

Erika war ein super Coach: Sie hatte einen Vertrag mit den fünfjährigen Kindergartenkindern abgeschlossen: Passt auf, ich bringe euch bei, was ihr alles für die Schule braucht und ihr investiert dafür diese eine Stunde in der Woche. Am Ende sehe ich, dass ihr schneiden könnt, Formen erkennt, rückwärts hüpft, bis zehn zählt und so weiter. 

Zeitlebens begegnen wir Menschen. Einige von ihnen (vielleicht sogar alle, aus einer spirituellen Perspektive betrachtet) werden zu unseren Mentoren. Manche bezahlen wir mit Geld dafür, dass sie uns voran bringen, begleiten oder unterstützen. Andere sind einfach da, wie Freunde, (Seelen-) Verwandte oder zufällige Bekanntschaften. Wer sich einen professionellen Coach, eine Trainerin oder eine Mentorin sucht, der hat normalerweise ein Bedürfnis, etwas zu verändern. Und zwar schneller und/ oder besser, als er meint, es alleine schaffen zu können. 

Während Trainer meist ein bestimmtes Gebiet (Wissen, Körper, Emotionen) gezielt trainieren, also ein Trainingsprogramm aufstellen und dann ihre Klienten zur Durchführung motivieren, liegt der Sinn eines Mentoring oder Coaching in der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Unterschiede zwischen den beiden sind Tendenzen und keine eindeutigen Trennstriche. Ein Coaching ist meist auf konkrete kurzfristige Ziele gerichtet (Erika). Mentoring kann zeitlich unbegrenzt sein und stellt die persönliche Entwicklung des Mentees in den Vordergrund (Monika).  

Folgende Fragen können Ihnen helfen herauszufinden, ob Coaching oder Mentoring das Richtige für Sie sein könnte. Je mehr Fragen Sie mit „Ja“ beantworten, umso besser ist Mentoring für Sie geeignet.

– Suchen Sie einen Ansprechpartner, mit dem Sie Ihre Arbeits- und Lebenssituation ganzheitlich besprechen können?

– Ist Ihnen Vertrauensaufbau wichtig, bevor Sie von sich erzählen?

– Möchten Sie sich langfristig weiter entwickeln und Ihre Zukunft gestalten?

– Geht es Ihnen mehr darum allgemeine Verbesserungen im Umfeld zu bewirken, als konkrete Aufgaben zu bewältigen? 

– Möchten Sie weniger kurzfristig Produktivität steigern und mehr langfristig ein motiviertes Team aufbauen?

– Möchten Sie Ihr Netzwerk erweitern?

– Möchten Sie weniger eine bestimmte neue Fähigkeit erlernen, und mehr ihre fachliche und persönliche Entwicklung vorantreiben?

Ein Tipp zum Schluss: Auch wenn ein Mentoring zeitlich unbegrenzt sein kann, sollten Sie bei professionellen Mentoren (und Coaches) darauf achten, dass sie flexible Laufzeiten anbieten. Das höchste Ziel eines Beraters, Trainers, Mentoren oder Coach sollte immer sein, sich selbst überflüssig zu machen.

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